Homeoffice ist längst kein Provisorium mehr — es ist fester Bestandteil moderner Arbeitsmodelle. Doch mit der Flexibilität wachsen auch die Angriffsflächen. Wer Mitarbeitern den Zugriff auf Firmendaten von zu Hause ermöglicht, muss dafür sorgen, dass dieser Zugang genauso sicher ist wie im Büro. In diesem Artikel zeigen wir, worauf IT-Verantwortliche bei der VPN-Konfiguration achten müssen und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.
Die Ausgangslage: Warum Homeoffice ein Sicherheitsrisiko ist
Im Büro arbeiten Mitarbeiter hinter Firewalls, Proxy-Servern und segmentierten Netzwerken. Im Homeoffice sieht das anders aus: Der Firmenlaptop hängt am selben WLAN wie Smart-TV, Alexa und die Spielekonsole der Kinder. Der Router stammt vom Provider und wurde seit der Einrichtung nie aktualisiert.
- Heimnetzwerke sind nicht segmentiert — alle Geräte teilen sich ein Netz
- Router-Firmware ist häufig veraltet und enthält bekannte Sicherheitslücken
- Mitarbeiter nutzen private Geräte ohne Endpoint-Protection
- Unverschlüsselte Verbindungen über öffentliche WLANs (Café, Hotel, Bahn)
- Kein zentrales Monitoring — Angriffe bleiben unentdeckt
- Zugriff auf Firmenressourcen ohne Multi-Faktor-Authentifizierung
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stuft unsichere Remote-Zugänge als eine der Top-3-Bedrohungen für KMU ein. Besonders betroffen: Unternehmen, die während der Pandemie schnell VPN-Lösungen eingerichtet und diese nie gehärtet haben.
VPN ist nicht gleich VPN: Die richtige Lösung wählen
Ein VPN (Virtual Private Network) verschlüsselt die Verbindung zwischen dem Endgerät des Mitarbeiters und dem Firmennetzwerk. Doch VPN-Lösungen unterscheiden sich erheblich in Sicherheit, Performance und Verwaltungsaufwand.
| Lösung | Sicherheit | Performance | Verwaltung | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| IPsec Site-to-Site | ★★★★★ | ★★★★☆ | Komplex | Standortvernetzung |
| SSL-VPN (z. B. OpenVPN) | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | Mittel | Einzelne Remote-Mitarbeiter |
| WireGuard | ★★★★☆ | ★★★★★ | Einfach | Moderne Setups, mobile Geräte |
| Zero Trust / ZTNA | ★★★★★ | ★★★★★ | Mittel–Hoch | Cloud-first Unternehmen |
| Kostenlose Consumer-VPNs | ★☆☆☆☆ | ★★☆☆☆ | Einfach | Niemals für Unternehmen! |
⚠️ Wichtig: Achtung: Consumer-VPN-Dienste wie NordVPN oder ExpressVPN sind keine Unternehmenslösung. Sie verschlüsseln zwar den Internetverkehr, bieten aber keinen sicheren Tunnel ins Firmennetzwerk, kein zentrales Management und keine Compliance-Features.
5 Fehler, die wir bei Kunden immer wieder sehen
Split-Tunneling ohne Kontrolle
Beim Split-Tunneling läuft nur der Firmen-Traffic durch den VPN-Tunnel — der restliche Internetverkehr geht direkt ins Netz. Das spart Bandbreite, öffnet aber eine Hintertür: Malware kann über den ungeschützten Kanal ins Firmennetz gelangen. Kombinieren Sie Split-Tunneling immer mit DNS-Filtering und Endpoint-Protection.
Veraltete VPN-Gateways
VPN-Appliances und -Software müssen regelmäßig gepatcht werden. Kritische Schwachstellen in Fortinet, Cisco und Pulse Secure wurden 2024/2025 aktiv ausgenutzt. Prüfen Sie monatlich auf Firmware-Updates.
Keine Multi-Faktor-Authentifizierung
Ein VPN-Zugang, der nur durch Benutzername und Passwort geschützt ist, ist nur so sicher wie das schwächste Passwort im Unternehmen. MFA ist Pflicht — idealerweise mit TOTP-App oder Hardware-Token, nicht per SMS.
Zu breite Netzwerkzugriffe
Viele VPN-Setups geben Remote-Nutzern Zugriff auf das gesamte Firmennetz. Das Prinzip der geringsten Berechtigung (Least Privilege) gilt auch hier: Mitarbeiter sollten nur die Ressourcen erreichen, die sie tatsächlich brauchen.
Kein Monitoring der VPN-Verbindungen
Ohne Logging und Monitoring wissen Sie nicht, wer sich wann von wo verbindet — und ob verdächtige Aktivitäten stattfinden. Richten Sie Alerts für ungewöhnliche Login-Zeiten, -Orte oder fehlgeschlagene Versuche ein.
Zero Trust: Der nächste Schritt nach VPN
Das klassische VPN basiert auf einem einfachen Prinzip: Wer im Tunnel ist, ist vertrauenswürdig. In Zeiten von Cloud-Diensten und BYOD reicht das nicht mehr. Zero Trust Network Access (ZTNA) dreht das Modell um: Kein Gerät und kein Nutzer wird automatisch vertraut — jeder Zugriff wird geprüft.
Identitätsbasierter Zugriff
Nutzer werden nicht anhand ihrer IP, sondern anhand ihrer Identität und ihres Gerätezustands authentifiziert.
Mikrosegmentierung
Jede Anwendung wird einzeln geschützt. Ein kompromittiertes Gerät kann nicht lateral im Netzwerk wandern.
Kontinuierliche Prüfung
Der Zugriff wird nicht einmal beim Login geprüft, sondern fortlaufend. Ändert sich der Kontext, wird die Sitzung neu bewertet.
Cloud-native
ZTNA funktioniert unabhängig vom Standort — ob Homeoffice, Büro oder unterwegs. Ideal für Microsoft 365 und Cloud-Infrastrukturen.
Tipp für den Übergang
Sie müssen nicht sofort komplett auf Zero Trust umstellen. Starten Sie mit Conditional Access Policies in Azure AD / Entra ID: Erzwingen Sie MFA für externe Zugriffe, blockieren Sie veraltete Betriebssysteme und erlauben Sie nur verwaltete Geräte. Das ist ein pragmatischer erster Schritt, der sofort wirkt.
Checkliste: Sicheres Homeoffice in 10 Schritten
Maßnahmen für IT-Verantwortliche
- VPN-Gateway auf aktuellem Firmware-/Patchstand halten
- MFA für alle VPN-Verbindungen erzwingen (TOTP oder FIDO2)
- Split-Tunneling nur in Kombination mit DNS-Filtering erlauben
- Netzwerkzugriff nach Least-Privilege-Prinzip einschränken
- Endpoint-Protection auf allen Remote-Geräten ausrollen
- VPN-Logs zentral sammeln und auf Anomalien überwachen
- Router-Empfehlungen für Mitarbeiter im Homeoffice bereitstellen
- Notfallplan für kompromittierte VPN-Zugänge definieren
- Regelmäßige Awareness-Schulungen zu Phishing und Social Engineering
- Zero-Trust-Strategie evaluieren und Roadmap erstellen
Fazit: Sicherheit beginnt beim Zugang
Ein VPN allein macht Ihr Homeoffice nicht sicher — aber ein richtig konfiguriertes VPN mit MFA, Least Privilege und Monitoring ist ein solides Fundament. Wer langfristig denkt, sollte parallel eine Zero-Trust-Strategie aufbauen, die Sicherheit unabhängig vom Standort gewährleistet.
Entscheidend ist: Behandeln Sie den Remote-Zugang nicht als Nebensache. Jede VPN-Verbindung ist ein potenzielles Einfallstor — und verdient dieselbe Aufmerksamkeit wie Ihre Firewall oder Ihr E-Mail-Gateway.