Zurück zum Blog Netzwerk

Strukturierte Netzwerk-Verkabelung: Cat6a, Glasfaser und Planung

Die Netzwerk-Verkabelung ist das unsichtbare Rückgrat jeder Unternehmens-IT. Erfahren Sie, warum sich eine durchdachte Planung mit Cat6a und Glasfaser langfristig auszahlt und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.

14. Februar 2026 12 Min. Lesezeit

WLAN-Access-Points, Cloud-Telefonie, IP-Kameras, Server, Drucker — all diese Systeme haben eines gemeinsam: Sie sind nur so leistungsfähig wie die Verkabelung, die sie verbindet. Trotzdem wird die strukturierte Netzwerk-Verkabelung bei vielen mittelständischen Unternehmen in Südbaden stiefmütterlich behandelt. Dabei entscheidet die Qualität der physischen Infrastruktur darüber, ob Ihre IT zuverlässig funktioniert oder zum permanenten Störfaktor wird.

Warum die Verkabelung das Fundament Ihrer IT ist

Stellen Sie sich Ihre IT-Infrastruktur wie ein Gebäude vor: Die Verkabelung ist das Fundament. Sie können die beste Firewall, die schnellsten Server und die modernste Software einsetzen — wenn die physische Verbindung zwischen den Komponenten nicht stimmt, bricht alles zusammen. Paketverluste, Latenzschwankungen und sporadische Verbindungsabbrüche lassen sich mit Software nicht lösen, wenn die Ursache im Kabel liegt.

  • Unerklärliche Netzwerkausfälle, die nur zeitweise auftreten
  • Langsame Datenübertragung trotz schnellem Internetanschluss
  • VoIP-Telefonie mit Aussetzern und schlechter Sprachqualität
  • Drucker und Geräte, die regelmäßig aus dem Netzwerk fallen
  • WLAN-Probleme, die eigentlich an der Backbone-Verkabelung liegen

Wenn Ihnen einige dieser Symptome bekannt vorkommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Ursache in einer veralteten, fehlerhaft installierten oder schlecht geplanten Verkabelung liegt. Die gute Nachricht: Mit einer professionellen strukturierten Verkabelung lassen sich diese Probleme dauerhaft beseitigen.

Kabeltypen im Vergleich: Von Cat5e bis Cat8

Die Bezeichnungen Cat5e, Cat6, Cat6a oder Cat7 begegnen jedem, der sich mit Netzwerk-Verkabelung beschäftigt. Doch was bedeuten sie konkret, und welche Kategorie ist die richtige für Ihr Unternehmen? Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gängigen Kupferkabel-Kategorien.

Kategorie Max. Frequenz Max. Datenrate Max. Länge (Kanal) Empfehlung
Cat5e 100 MHz 1 Gbit/s 100 m Veraltet, nicht mehr verbauen
Cat6 250 MHz 1 Gbit/s (10G bis 55 m) 100 m Mindeststandard, aber nicht zukunftssicher
Cat6a 500 MHz 10 Gbit/s 100 m Empfehlung für Neuinstallationen
Cat7 600 MHz 10 Gbit/s 100 m Kaum Vorteile gegenüber Cat6a, proprietäre Stecker
Cat8 2000 MHz 25/40 Gbit/s 30 m Nur für Rechenzentren sinnvoll
Unsere klare Empfehlung: Cat6a

Für mittelständische Unternehmen ist Cat6a der optimale Standard. Es unterstützt 10 Gbit/s über die volle Distanz von 100 Metern, ist preislich vertretbar und bietet ausreichend Reserven für die kommenden 15 bis 20 Jahre. Cat7 bietet in der Praxis kaum Mehrwert, da es auf proprietäre Steckverbinder (GG45/TERA) setzt, die mit den verbreiteten RJ45-Buchsen nicht kompatibel sind.

Glasfaser vs. Kupfer: Wann lohnt sich was?

Neben Kupferkabeln spielt Glasfaser (Lichtwellenleiter, LWL) eine zunehmend wichtige Rolle in der Unternehmensverkabelung. Doch die Frage ist nicht «Glasfaser oder Kupfer?», sondern «Wo setze ich welche Technologie ein?». Beide haben klare Stärken und ergänzen sich ideal.

Kupfer (Cat6a)

Ideal für die Tertiärverkabelung vom Etagenverteiler zur Netzwerkdose. Kostengünstig, einfach zu konfektionieren und kompatibel mit PoE (Power over Ethernet) für Access Points, IP-Telefone und Kameras.

Glasfaser (Singlemode)

Perfekt für die Primär- und Sekundärverkabelung zwischen Gebäuden oder Stockwerken. Unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen, enorme Bandbreite und Reichweiten von mehreren Kilometern.

Glasfaser (Multimode)

Gute Wahl für kürzere Strecken innerhalb von Gebäuden (bis ca. 550 m bei 10 Gbit/s). Günstiger als Singlemode bei den aktiven Komponenten, ausreichend für die meisten Gebäudeverkabelungen.

1

Verlegen Sie bei Neubauten grundsätzlich Glasfaser zwischen den Stockwerken und zwischen Gebäuden. Die Mehrkosten gegenüber Kupfer sind gering, aber die Zukunftssicherheit ist enorm: Glasfaser lässt sich durch Austausch der aktiven Komponenten (Transceiver) auf höhere Geschwindigkeiten aufrüsten, ohne die Kabel anfassen zu müssen.

Strukturierte Verkabelung: Das Drei-Ebenen-Modell

Der Begriff «strukturierte Verkabelung» beschreibt ein genormtes, hierarchisches Konzept für die Gebäudeverkabelung. Sie folgt dem Drei-Ebenen-Modell nach EN 50173 und sorgt dafür, dass Ihr Netzwerk übersichtlich, wartbar und skalierbar bleibt — unabhängig von der Unternehmensgröße.

1

Primärverkabelung (Geländeverkabelung)

Verbindet Gebäude untereinander, z. B. Bürogebäude mit Produktionshalle oder Lager. Hier kommt ausschließlich Glasfaser zum Einsatz, idealerweise Singlemode in Schutzrohren (Leerrohre im Erdreich).

2

Sekundärverkabelung (Steigleitungen)

Verbindet die Etagenverteiler innerhalb eines Gebäudes mit dem zentralen Gebäudeverteiler. Auch hier ist Glasfaser die erste Wahl, bei kürzeren Strecken kann Multimode ausreichen.

3

Tertiärverkabelung (Etagenverkabelung)

Die «letzte Meile» vom Etagenverteiler bis zur Netzwerkdose am Arbeitsplatz. Hier wird Cat6a-Kupferkabel eingesetzt — es ermöglicht 10 Gbit/s und unterstützt PoE+ für die Stromversorgung von Endgeräten.

Patchfelder, Netzwerkschränke und Kabelmanagement

Eine professionelle Verkabelung endet nicht am Kabel selbst. Die passive Infrastruktur — Patchfelder (Patchpanels), Netzwerkschränke und ein durchdachtes Kabelmanagement — ist ebenso entscheidend für eine zuverlässige und wartbare Installation.

Patchfelder: Die zentrale Schaltstelle

Ein Patchfeld bündelt alle Netzwerkkabel eines Bereichs an einem zentralen Punkt. Von hier aus werden die Verbindungen über kurze Patchkabel zu den Switches hergestellt. Der Vorteil: Umstecken statt Umverlegen. Wenn ein Mitarbeiter den Arbeitsplatz wechselt oder ein neues VLAN zugewiesen werden soll, genügt ein Patchkabel-Wechsel am Panel.

Netzwerkschrank: Ordnung ist Pflicht

Alle aktiven und passiven Komponenten gehören in einen abschließbaren Netzwerkschrank (19-Zoll-Rack). Achten Sie auf ausreichende Größe: Ein 42 HE (Höheneinheiten) Standschrank bietet genug Platz für Patchfelder, Switches, USV und künftige Erweiterungen. Für kleine Büros mit wenigen Ports reicht auch ein 12 HE Wandschrank. Wichtig ist eine gute Belüftung oder aktive Kühlung, damit die Hardware nicht überhitzt.

⚠️ Wichtig: Ein häufiger Fehler: Switches und Patchfelder werden offen auf Regale gelegt oder in unbelüftete Abstellkammern verbannt. Das Ergebnis sind Überhitzung, Staub, versehentlich gezogene Kabel und ein Wartungs-Alptraum. Investieren Sie in einen ordentlichen Netzwerkschrank — die Kosten stehen in keinem Verhältnis zu den Folgeschäden einer chaotischen Installation.

Planung bei Neubau und Bestandsgebäude

Die Rahmenbedingungen für eine Netzwerk-Verkabelung unterscheiden sich erheblich, je nachdem, ob Sie einen Neubau planen oder ein bestehendes Gebäude nachrüsten müssen.

Neubau: Die goldene Gelegenheit

Bei einem Neubau haben Sie die einmalige Chance, die Verkabelung von Anfang an richtig zu planen. Die Kabel werden in die Wände und Decken integriert, bevor der Innenausbau beginnt. Das ist nicht nur sauberer, sondern auch deutlich günstiger als eine nachträgliche Installation. Planen Sie dabei großzügig: Jeder Arbeitsplatz sollte mindestens zwei Datendosen mit je zwei Ports erhalten — also vier Anschlüsse pro Arbeitsplatz. Das klingt viel, aber bedenken Sie: PC, Telefon, eventuell ein zweiter Monitor mit Netzwerkanschluss, und eine Reserve für künftige Geräte.

2

Planen Sie bei einem Neubau 30 bis 50 Prozent mehr Netzwerkdosen ein, als Sie aktuell benötigen. Die Kosten für ein zusätzliches Kabel während der Bauphase sind minimal — eine Nachrüstung im fertigen Gebäude kostet hingegen ein Vielfaches. Denken Sie auch an Besprechungsräume, Empfang, Lager und Produktionsflächen.

Bestandsgebäude: Pragmatische Lösungen

Im Bestandsgebäude sind die Möglichkeiten eingeschränkter, aber keinesfalls aussichtslos. Kabelkanäle (Brüstungskanäle, Deckenkanäle), Hohlraum- und Doppelböden oder bestehende Kabelschächte bieten Wege, neue Leitungen nachzuziehen. In historischen Gebäuden oder bei denkmalgeschützten Fassaden in Südbaden ist manchmal Kreativität gefragt — hier können Aufputz-Kabelkanäle in Wandfarbe eine optisch akzeptable Lösung sein.

Häufige Fehler bei der Netzwerk-Verkabelung

In unserer Praxis als IT-Dienstleister sehen wir regelmäßig dieselben Fehler. Die meisten davon sind vermeidbar, wenn von Anfang an professionell geplant wird.

Realität: WLAN-Access-Points benötigen selbst eine kabelgebundene Anbindung (idealerweise über PoE). Für bandbreitenintensive Anwendungen, VoIP-Telefonie und sicherheitskritische Systeme bleibt die Kabelverbindung unverzichtbar. WLAN ist eine Ergänzung, kein Ersatz.
Realität: Die interne Datenübertragung (Fileserver, Backups, ERP-Systeme) ist deutlich bandbreitenintensiver als der Internetzugang. Ein Cat5e-Kabel limitiert Ihr internes Netzwerk auf 1 Gbit/s — das wird bei mehreren gleichzeitigen Zugriffen schnell zum Engpass. Cat6a mit 10 Gbit/s gibt Ihnen Luft nach oben.
  • Zu wenige Netzwerkdosen pro Raum — nachträgliches Verlegen ist teuer und aufwändig
  • Keine oder mangelhafte Dokumentation der Verkabelung — Fehlersuche wird zum Rätselraten
  • Billige Kabel und Stecker, die nicht der angegebenen Kategorie entsprechen
  • Zu enge Biegeradien, die das Kabel mechanisch beschädigen und die Übertragungsqualität mindern
  • Kabel parallel zu Starkstromleitungen verlegt — elektromagnetische Störungen sind die Folge
  • Fehlende Beschriftung an Dosen und Patchfeldern
  • Kein Messprotokoll nach der Installation — versteckte Fehler bleiben unentdeckt

Normen und Standards: EN 50173 und DIN EN 50174

Eine professionelle Netzwerk-Verkabelung orientiert sich an den europäischen Normen EN 50173 (Informationstechnik — Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen) und DIN EN 50174 (Installation von Kommunikationsverkabelung). Diese Normen definieren unter anderem:

  • Die Struktur der Verkabelung (Drei-Ebenen-Modell)
  • Maximale Kabellängen und Kanaldämpfungswerte
  • Mindestanforderungen an Materialien und Komponenten
  • Installationsvorschriften (Biegeradien, Zugkräfte, Abstände zu Störquellen)
  • Prüf- und Dokumentationsanforderungen
Warum Normenkonformität wichtig ist

Eine normkonforme Installation ist nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern auch die Voraussetzung für die Herstellergarantie vieler Systemanbieter. Bei einer zertifizierten Verkabelung (z. B. nach dem Garantieprogramm eines Systemherstellers) erhalten Sie bis zu 25 Jahre Garantie auf die passive Infrastruktur — das geht nur mit normgerechter Installation und dokumentierter Messtechnik.

Zukunftssicherheit: Was heute verlegen für morgen?

Die Verkabelung, die Sie heute installieren, soll mindestens 15 bis 20 Jahre halten. In dieser Zeit werden sich die Anforderungen an Bandbreite und Vernetzung drastisch erhöhen. Denken Sie an IoT-Sensoren in der Produktion, KI-gestützte Videoanalyse, Cloud-basierte ERP-Systeme mit Echtzeit-Synchronisation oder Virtual-Reality-Anwendungen für Schulungen und Konstruktion.

Unsere Empfehlung für eine zukunftssichere Verkabelung im Mittelstand: Cat6a für alle horizontalen Strecken (Etagenverkabelung), Singlemode-Glasfaser für alle vertikalen Strecken (Steigbereiche) und zwischen Gebäuden. Zusätzlich großzügig Leerrohre einplanen, damit künftige Kabel ohne Baumaßnahmen nachgezogen werden können.

Besonders das Thema Power over Ethernet (PoE) gewinnt an Bedeutung. Immer mehr Geräte werden über das Netzwerkkabel mit Strom versorgt: WLAN-Access-Points, IP-Kameras, LED-Beleuchtung, Türzutrittssysteme und IoT-Sensoren. Cat6a ist für die höheren PoE-Leistungsklassen (bis zu 90 Watt bei PoE++) ausgelegt und damit die richtige Wahl.

Checkliste: Netzwerk-Verkabelung richtig planen

Ob Neubau, Umbau oder Sanierung — mit dieser Checkliste stellen Sie sicher, dass Sie an alles Wichtige denken.

Checkliste Netzwerk-Verkabelung

  • Bedarfsanalyse durchführen: Wie viele Arbeitsplätze, Drucker, Access Points, Kameras und IoT-Geräte werden angeschlossen?
  • Raumplanung erstellen: Wo befinden sich Arbeitsplätze heute, wo könnten sie morgen sein?
  • Anzahl Netzwerkdosen festlegen: Mindestens 2 Doppeldosen pro Arbeitsplatz, plus 30–50 % Reserve
  • Standort für Netzwerkschrank definieren: Zentraler, belüfteter Raum mit Stromanschluss und Erdung
  • Kabelkategorie wählen: Cat6a für Kupfer, Singlemode-Glasfaser für Backbone
  • Kabelwege planen: Leerrohre, Kabelkanäle, Abstände zu Stromkabeln einhalten
  • Installationsfirma beauftragen: Zertifizierter Fachbetrieb mit Messtechnik und Dokumentation
  • Abnahmemessung verlangen: Jede Strecke muss gemessen und protokolliert werden
  • Dokumentation prüfen: Lageplan, Patchfeld-Belegung, Messprotokolle archivieren
  • Wartungsvertrag vereinbaren: Regelmäßige Prüfung und Anpassung bei Veränderungen

Fazit: Einmal richtig investieren statt dauerhaft reparieren

Die Netzwerk-Verkabelung ist eine Investition, die sich über viele Jahre auszahlen muss. Wer hier spart, zahlt später drauf — durch Ausfälle, Performanceprobleme und teure Nachrüstungen. Mit einer strukturierten Verkabelung auf Basis von Cat6a und Glasfaser, professioneller Planung und sauberer Dokumentation schaffen Sie ein Fundament, das Ihr Unternehmen zuverlässig durch die nächsten zwei Jahrzehnte trägt.

Gerade für mittelständische Unternehmen in Südbaden, die auf eine stabile IT-Infrastruktur angewiesen sind, ist die Verkabelung kein Thema, das man nebenbei erledigt. Lassen Sie sich von einem erfahrenen IT-Dienstleister beraten, der die Planung, Koordination mit dem Elektroinstallateur und die spätere Integration in Ihr Netzwerk aus einer Hand übernimmt.

Die beste Firewall und der schnellste Server nützen nichts, wenn das Kabel dazwischen nicht mitspielt. Die Verkabelung ist die Lebensader Ihrer IT — behandeln Sie sie auch so.

— MiMann.net

Netzwerk-Verkabelung professionell planen lassen

Sie planen einen Neubau, Umbau oder möchten Ihre bestehende Verkabelung modernisieren? Wir beraten Sie herstellerunabhängig, koordinieren die Umsetzung und sorgen für eine saubere Dokumentation — alles aus einer Hand.